Ich wollte ja noch was zu meinen Sitzungsvertretungen schreiben. Also ab an die Tastatur:
Ich hatte ingesamt vier Sitzungstermine, aber im Vergleich zu einigen Kollegen wohl eher weniger Fälle. Aber das hat dann teilweise die Schwierigkeit und Länge der Sitzungen wieder:
Meine erste Sitzung war gleich mal als einziger Termin an dem Tag angesetzt. Mit Zeugen aus ganz Europa und sehr langen Rechts- und Beweiswürdigungsgesprächen dauerte das ganze dann auch gleich mal fünf Stunden. Ich hatte echt Sorge, meine Ausbilderin wäre danach schon nicht mehr im Hause. Spannend dabei: Von den vier Hauptpersonen im Saal waren drei das erste Mal dort: Ich sowieso, der Angeklagte auch (spricht ja für ihn) und dann auch die Richterin!
Am zweiten Tag kamen dann einige Angeklagte nicht und der anwesende war voll geständig. Dafür (naja, nicht im Sinne eines Tauschverhältnisses) gab es dann einen § 21 StGB und eine Teileinstellung nach § 154 StPO. Dafür mußt ich mich im Richterzimmer dann erstmal durch die Hierarchie der StA telefonieren, denn meine Ausbilderin hatte selber was, der Sachbearbeiter war auch nicht da ... (Für alle Nichtjuristen: Referendare können zwar von Rechtswegen wirksam so eine Einstellung beantragen, aber sie dürfen es innerbehördlich nicht ohne Rückfrage.)
Am vorletzten Tag dann ein aus der Haft vorgeführter Angeklagter, wieder mit Geständnis und mit viel Reue. Und einer Versandbetrugsanklageschrift, bei der ich dann erstmal seitenweise Tabellen von Tattag, Geschädigtem, Wert, Ware verlesen durfte. grmpf
Und danach noch eine Disco-Schlägerei mit Fortsetzungstermin bei dem sich Belastungszeugen nicht mehr erinnern konnten, Protokolle aus einer älteren Verhandlung als falsch bezeichneten, ... Kurzum eine äußerst undankbare Beweissituation.
Fazit: Am Anfang hatte ich, wie viele meiner Kollegen, doch recht großen Bammel vor der ersten Sitzung, weil man sitzt da ja halt doch ganz alleine und vertritt die Staatsanwaltschaft. So richtig ohne Netz und doppelten Boden. Und man hat dann in der Regel (bei einigen Kollegen war das wohl anders) noch nie probeweise mal neben seinem Ausbilder gesessen. Aber am Ende geht es. Mir persönlich kam es dann natürlich zugute, daß meine erste Richterin halt selber neu war und ich mich damit nicht ganz so “allein” gefühlt hatte.
Und mit der Zeit kam - auch schon während der ersten Mammutsitzung - dann auch das Gefühl auf, genau an der richtigen Stelle zu sitzen, die Robe kam einem nicht mehr komisch vor ... ich fand doch recht schnell in die Rolle hinein. Und zum Schluß kann ich nur sagen, ja, es war eine wirklich spanndende und interessante Arbeit.